Einmal Hafen und zurück – Teil 3

Eine originäre Oetinger-Corporate-Fortsetzungsgeschichte

Einmal Hafen undd zurück
Das Finale der Geschichte über die drei ungleichen Freunde beginnt. Es bleibt spannend, denn es liegt bis zum Schiffsanleger noch ein gutes Stück Weg vor ihnen – Wanda möchte schließlich die Rückreise in ihre Heimat antreten. Als Schildkröte gar nicht so leicht, dies zu Fuß zu bewältigen … und nicht nur das!
Welche weiteren Hindernisse auf der Strecke liegen und ob es Wanda am Ende schafft, erzählt der letzte Teil des Hafenabenteuers „Einmal Hafen und zurück“.

Die Ratte Enzo, die Schildkröte Wanda und die Möwe Freddy sind die Hauptpersonen der neuen von Oetinger Corporate geschaffenen Erzählwelt. Die drei Freunde werden sich häufig in einem Museum aufhalten, ebenso oft an verschiedenen Orten im Hamburger Hafen, selten auf Schiffen. Der Hauch der großen weiten Welt wird immer zu spüren sein und was es dazu (und vielen anderen Themen) in Museen zu entdecken gibt.
Die Erzählwelt wurde konzipiert im Zusammenhang mit Gesprächen mit der Stiftung Historische Museen Hamburg über die Möglichkeit, die Angebote der Hamburger Museen mit Hilfe von Storytelling für Kinder zu strukturieren, zu bewerben und noch attraktiver zu machen.

Nach zwei vorangegangenen Teilen findet die Geschichte um das tierische Dreiergespann nun ihren Höhepunkt. Viel Freude!


 

Einmal Hafen und zurück – Teil 3

Text von Johanna Fischer, Illustrationen von Daniel Sohr


Fortsetzung von Teil 1 und Teil 2

[…]

„Yehaaaawww“, quiekt Enzo vergnügt, während er sich mit den Pfoten schon wieder an der Innenwand des Panzers festkrallt.

„Was für eine be…be…be… bescheuerte Idee!“, stößt Wanda zwischen den Zähnen hervor, während ihr Panzer über die Dachziegel rattert.

Durch den brausenden Wind und das Klappern des Panzers ist Frederiks Stimme kaum zu hören. Er fliegt über ihnen und kommentiert ihren wilden Rutsch: „Weiter nach rechts … Achtung, Schornstein auf 11 Uhr …“ Und schließlich: „Hey, ich glaube, da vorn ist das Dach zu Ende.“

„Was meint er?“, fragt Enzo verwirrt, als das schlitternde Geräusch des Panzers plötzlich verstummt. Für einen kurzen Moment fühlt es sich an, als würden sie schweben. Dann fällt der Panzer ziemlich schnell ziemlich tief nach unten.

„Schön, dich kennengelernt zu haben“, brüllt Enzo gegen das Fauchen des Windes.

„Ebenso“, antwortet Wanda kläglich.

Und mit zusammengekniffenen Augen warten sie auf den Aufprall.

Doch bis auf ein kurzes Ruckeln passiert ­– nichts.

Nach einer Weile ertönt Frederiks Stimme: „Wir sind gelandet. Ihr könntet jetzt rauskommen.“

Mit zitternden Beinen tastet Enzo sich zum Ausgang und späht nach draußen.

Der Panzer liegt mitten in einer dunklen, gepflasterten Gasse. Frederik steht ein Stück abseits und betrachtet sich verträumt in einem Kellerfenster.

„Du hast uns gerettet“, sagt Enzo verblüfft. „Danke!“

„Schon gut“, antwortet Frederik. „Aber deine Freundin ist ganz schön schwer! Hab mir fast eine Kralle abgebrochen.“

„Unverschämtheit“, ertönt es gedämpft aus dem Panzer.

„Das sind die Möbel“, sagt Enzo schnell, während Wanda sich grummelnd aus dem Panzer schiebt.

Frederik wirft ihm einen verständnislosen Blick zu und spannt die Flügel.

„Hey, warte mal“, ruft Enzo. Er hat keine Ahnung, wo sie gelandet sind. „Du hast von da oben doch bestimmt den vollen Überblick. Kannst du uns nicht zum Hafen lotsen?“

„Das hat ja eben schon so gut geklappt“, murmelt Wanda.

Frederik ignoriert die Schildkrötendame. „Na schön. Ihr habt Glück, dass ich nicht nur ein gut aussehender Schwan bin, sondern auch ein großzügiger.“

 

Während Enzo und Wanda sich langsam zu Fuß auf den Weg machen, hebt Frederik sich in die Lüfte. Zum Glück regnet es inzwischen nicht mehr und der Himmel wird schon langsam hell.

Auf dem Weg erzählt Enzo Wanda von seinen Geschwistern, die echte Schiffsratten und ständig auf Reisen sind. „Die haben schon alle möglichen Orte gesehen“, sagt Enzo. „Ich kenne nur Hamburg.“

„Komm doch mit nach Nador“, schlägt Wanda vor. „Da ist es herrlich warm, es gibt endlose Strände und Palmen.“

„Würde ich ja gern“, sagt Enzo betrübt. „Aber dafür müsste ich mit einem Schiff fahren und mit Wasser hab ich’s nicht so …“

Freddy im Anflug

In diesem Moment ruft Frederik von oben: „An der nächsten Ecke nach rechts.“

Beinahe gleichzeitig schauen Enzo und Wanda hinauf. Frederik ist schon wieder auf einer Fensterbank gelandet und betrachtet sich versonnen in einer Scheibe.

„Der hält sich wirklich für einen Schwan“, stellt Enzo grinsend fest.

Wanda schüttelt langsam den Kopf und kichert leise.

Doch als sie um die Ecke biegen, vergeht ihnen das Lachen: Vor ihnen steht eine ganze Schar Katzen, die sie aus grimmigen, gelben Augen anstarren und die sehr, sehr hungrig aussehen.

„Wen haben wir denn da?“, sagt ein struppiger, schwarzer Kater. Er ist offenbar der Anführer der Bande.

Bevor Enzo oder Wanda etwas erwidern können, ertönt hinter ihnen Frederiks Stimme: „Wo bleibt ihr denn? Ich bin ein Schwan, kein Stadtführer. Ich habe auch noch andere Dinge zu tun.“

Erstaunt beobachten Enzo und Wanda, wie die Augen des schwarzen Katers sich weiten. In ihnen ist ganz eindeutig so etwas wie Angst zu erkennen. Enzo und Wanda wechseln einen schnellen Blick. In diesem Moment biegt auch schon Frederik um die Ecke.

Sofort richtet sich ein Dutzend gelb leuchtender Augen auf ihn. Ein Fauchen ist zu hören.

Doch zu Enzos und Wandas Überraschung zuckt Frederik nicht einmal zusammen. Er dreht noch eine Schleife in der Luft, dann lässt er sich majestätisch aufs Pflaster sinken. Genau zwischen Enzo, Wanda und die Katzen.

„Jetzt ist er völlig durchgeknallt!“, murmelt Wanda.

Auf die Katzen, fertig, los!„Fürchtet euch nicht“, flüstert Frederik so laut, dass es in der ganzen Gasse zu hören ist. Stolz reckt er Brust und Schnabel. „Ich bin gekommen, um euch zu retten – mal wieder.“

Jetzt oder nie, denkt Enzo. Er wirft Wanda einen entschuldigenden Blick zu, holt noch einmal tief Luft und tritt ebenfalls nach vorn. „Hört mal zu, ihr Flohteppiche“, ruft er mutig. „Wir müssen zum Hafen und haben es eilig. Ihr lasst uns also besser durch, sonst kriegt ihr es mit Frederik zu tun!“

„Dein Freund ist ziemlich klein für einen Schwan“, zischt der schwarze Kater misstrauisch. Doch gleichzeitig wandert seine Pfote zu der Stelle, wo früher sein linkes Ohr war. Als er sich das letzte Mal mit einem Schwan angelegt hat, ist das nicht gut für ihn ausgegangen.

„Jaha“, sagt Enzo. „Und meine Freundin Wanda hier ist ziemlich klein für eine Killer-Schildkröte. Trotzdem hat sie schon jede Menge Krokodile erledigt, da wo sie herkommt!“

Wanda stutzt kurz, doch dann schiebt auch sie sich langsam, aber entschieden voran und fletscht die kleinen Zähne.

Die Katzen weichen zurück. Unsicher schauen sie zu ihrem Anführer, der noch immer Frederik anstarrt. Der lässt nun ein Fauchen hören, das tatsächlich ein bisschen nach einem Schwan klingt.

„Grrrr“, macht Wanda.

Das ist den Katzen zu viel: Eine nach der anderen ergreifen sie die Flucht und verschwinden in den dunklen Gassen.

„Puh“, sagt Enzo. „Das war ganz schön knapp!“

Die drei schauen sich einen Moment an, dann brechen sie in lautes Gelächter aus.

„Habt ihr das Gesicht des Anführers gesehen, als ich gefaucht habe?“, fragt Frederik.

Wanda kichert. „Der ist ganz blass um die Nasenspitze geworden.“

„Du hast das aber auch echt gut gespielt“, sagt Enzo.

„Was heißt hier gespielt?“, antwortet Frederik. „Jedes Kind weiß, dass mit einem wütenden Schwan nicht zu spaßen ist.“

Enzo und Wanda schauen sich an. Wanda verdreht die Augen, sagt jedoch nichts.

„Jetzt aber los“, sagt Enzo. „Sonst verpasst Wanda noch ihr Schiff.“

 

Als sie den Hafen erreichen, geht die Sonne gerade über den Docks auf. Mit Frederiks Hilfe dauert es nicht lange, bis sie eine Reihe Schiffe finden, die Richtung Süden fahren. Umso länger dauert es jedoch, bis Wanda sich in ihren Panzer zurückgezogen hat und mit der roten Brille auf der Nase wieder auftaucht, um die Namen der Schiffe zu entziffern.

Eine ganze Weile sitzen die drei schweigend auf der Kaimauer und beobachten die Schiffe.

Schließlich sagt Enzo: „So eine aufregende Nacht habe ich noch nie erlebt.“

„Ich auch nicht“, sagt Wanda leise. „In Nadir ist es zwar schön warm, aber auch ein bisschen langweilig…“

„Langweilig ist es mit euch beiden nicht gewesen, das muss ich zugeben“, sagt Frederik.

In diesem Moment ertönt aus einem Lautsprecher direkt über ihren Köpfen ein durchdringendes Pfeifen und Frederik kippt vor Schreck fast ins Hafenbecken. Enzo und Wanda kriegen gerade noch seinen Flügel zu fassen.

„Hätte nicht gedacht, dass ein Schwan so leicht umzuhauen ist“, sagt Enzo grinsend.

Frederik schüttelt sich ein paar Mal und blickt Enzo dann verständnislos an. „Na hör mal, ich weiß, dass mein Gefieder außergewöhnlich strahlend ist, aber ich versichere dir, ich bin eine Silbermöwe, kein Schwan. Den Unterschied sollte sogar eine Ratte erkennen.“

Enzo und Wanda schauen sich an, dann prusten sie unter Frederiks verwirrtem Blick los.

Erst als sich im Bauch von Wandas Schiff dröhnend eine Luke öffnet, werden sie wieder ernst.

„Jetzt heißt es wohl Abschiednehmen“, sagt Enzo, noch immer etwas außer Atem.

„Mach’s gut, Enzo“, sagt Wanda. „Tschüss, Frederik von Falkenberg der Vierte.“

Frederik kneift einen Moment die Augen zusammen, dann erwidert er: „Freunde dürfen Freddy zu mir sagen.“

Wanda schaut ihn mit großen, ernsten Augen an. „Tschüss, Freddy“, sagt sie leise. Mit einem langgezogenen Seufzer wendet sie sich der Luke zu.

Minuten vergehen.

Nichts passiert.

Als das Hupen des Schiffshorns schließlich die baldige Abfahrt ankündigt, tippt Enzo Wanda vorsichtig an. „Bist du schon auf dem Weg die Rampe hinauf?“, fragt er.

„Nö“, antwortet Wanda. Enzo und Freddy schauen sich unsicher an. Doch als Wanda sich langsam zu ihnen umdreht, hat sie ein breites Grinsen im Gesicht. „Hab’s mir anders überlegt.“

„Aber Wanda“, sagt Enzo. „Was ist mit der Sonne, dem Strand und den Palmen?“

„Sonne und Palmen sind schön und gut“, sagt Wanda. „Aber Freunde sind viel besser.“

Enzo, Wanda und Freddy – FINALE

ENDE

 

Die ganze Geschichte „Einmal Hafen und zurück“ zum Download


Informationen zu Illustrator Daniel Sohr finden Sie hier und hier.