Einmal Hafen und zurück – Teil 2

Eine originäre Oetinger-Corporate-Fortsetzungsgeschichte

Einmal Hafen undd zurück
Enzos und Wandas Geschichte geht weiter.
Am Ende des ersten Teils laufen die beiden Gefahr, vom Nachtwächter im Museum entdeckt zu werden. Keine guten Aussichten! Ob sie die Situation meistern und auf wen die neuen Freunde noch treffen, verrät der zweite Teil des Hafenabenteuers „Einmal Hafen und zurück“.

Die Ratte Enzo, die Schildkröte Wanda und die Möwe Freddy sind die Hauptpersonen der neuen von Oetinger Corporate geschaffenen Erzählwelt. Die drei Freunde werden sich häufig in einem Museum aufhalten, ebenso oft an verschiedenen Orten im Hamburger Hafen, selten auf Schiffen. Der Hauch der großen weiten Welt wird immer zu spüren sein und was es dazu (und vielen anderen Themen) in Museen zu entdecken gibt.
Die Erzählwelt wurde konzipiert im Zusammenhang mit Gesprächen mit der Stiftung Historische Museen Hamburg über die Möglichkeit, die Angebote der Hamburger Museen mit Hilfe von Storytelling für Kinder zu strukturieren, zu bewerben und noch attraktiver zu machen.

Nach dem Auftakt aus dem letzten Monat folgt hier nun die Fortsetzung der tierischen Geschichte um Ratte Enzo und Schildkröte Wanda. Viel Vergnügen!


 

Einmal Hafen und zurück – Teil 2

Text von Johanna Fischer, Illustrationen von Daniel Sohr


Fortsetzung von Teil 1

[…]

Verzweifelt schaut Enzo zu Wanda, die sich vor dem Lärm der Alarmanlage in ihren Panzer zurückgezogen hat. Weglaufen scheidet bei ihrer Geschwindigkeit wohl aus.

Die Schritte des Nachtwächters kommen immer näher.

Wandas Panzer liegt mitten auf dem Gang. Man kann ihn gar nicht übersehen. Kurz überlegt Enzo, sie hinter einen der Kästen zu schieben. Versuchsweise stemmt er sich gegen den Panzer. Doch der bewegt sich keinen Zentimeter.

Schon kann Enzo das Klirren des großen Schlüsselbunds hören, der am Gürtel des Nachtwächters hängt. Sehnsüchtig schaut er zu dem kleinen Fenster, durch das sie eben hereingekommen sind. Aber zurücklassen kann er Wanda auf keinen Fall. Das geht gegen seine Rattenehre. „Mitgehangen, mitgefangen“, seufzt er. Dann schlüpft er eilig durch die kleine Öffnung in Wandas Panzer. Gerade noch rechtzeitig, denn genau in diesem Moment kommt der Nachtwächter um die Ecke gebogen.

Verwirrt schaut Enzo sich um. So viel Platz hat er hier drin gar nicht erwartet! Und erst recht keine Möbel, mit denen der Panzer gemütlich eingerichtet ist. Auf der rechten Seite steht ein Tisch mit gepunkteter Tischdecke und zwei Stühlen und gleich daneben mehrere Küchenregale.

Auf der linken Seite hat Wanda sich in die Lücke zwischen einem Bett und einer Kommode mit unzähligen kleinen Fächern zurückgezogen. Ohne ihren Panzer hätte Enzo sie fast nicht erkannt. Sie ist ganz dünn und trägt ein buntes Tuch und eine knallrote Brille.

Doch bevor Enzo etwas sagen oder fragen kann, geht ein Ruck durch den Panzer und sie werden in die Luft gehoben. Schnell huscht Enzo hinüber zu Wanda und presst sich ebenfalls gegen die Wand.

Enzo und Wanda im SchildkrötenpanzerKurz darauf schaut ein durchdringendes, graues Auge ins Innere des Panzers. Wanda und Enzo halten vor Aufregung den Atem an. Dann ist das Auge wieder verschwunden und sie hören nur noch die gedämpfte Stimme des Nachtwächters wie ein fernes Donnergrollen. „Und wer muss hier wieder aufräumen …“

Im nächsten Moment kippt der Panzer zur Seite, sodass Enzo und Wanda plötzlich wie Flundern an der Wand gepresst werden. Nachdem sie den ersten Schrecken überwunden haben, hangeln sich sie vorsichtig zur Öffnung des Panzers und schauen nach draußen. Der Boden vor ihnen schwankt auf und ab. Sie werden ordentlich durchgeschüttelt, während der Nachtwächter durch das menschenleere Museum läuft.

„Wo er uns wohl hinbringt?“, flüstert Wanda.

„Keine Ahnung“, flüstert Enzo zurück. „Ich hoffe nur, wir landen nicht hinter irgendeiner Scheibe.“

Zahllose Treppenstufen und einige knarrende Türen später ist ihre Reise vorbei. Mit einem letzten Ruckeln und einem dumpfen Geräusch landet der Panzer. Enzo wartet, bis die Schritte des Nachwächters verklungen sind. Dann wankt er zum Loch und lugt nach draußen.

Zunächst ist in der Dunkelheit kaum etwas zu erkennen. Doch schließlich tauchen die Umrisse von hohen Regalen auf, auf denen sich Gegenstände bis unter die Decke stapeln. Noch immer etwas wackelig auf den Beinen klettert Enzo aus dem Panzer und schaut sich neugierig um.

Diesen Teil des Museums hat er noch nie gesehen. Es ist kein Raum für Besucher, eher ein Lager oder so etwas. Das lässt zumindest die dicke Staubschicht vermuten. Und es herrscht eine ziemliche Unordnung: Zwischen Papierstapeln liegen alte Ferngläser, eine Taschenlampe, ein Kompass und Dutzende kleine Holzfiguren mit seltsamen Fratzen. An der Wand lehnt eine vergilbte Landkarte in einem angelaufenen Bilderrahmen.

Während Wanda zögerlich Kopf und Beine aus ihrem Panzer streckt, nähert sich Enzo dem Rand des Regals, auf dem der Nachtwächter sie abgelegt hat. Oha, sie sind ganz schön weit oben!

Am anderen Ende des Regals fällt Mondlicht durch ein Fenster. Flink läuft Enzo hinüber und richtet sich auf. Doch so sehr er auch die Nase an der Scheibe plattdrückt – außer Dachziegeln ist weit und breit nichts zu erkennen.

Hinter ihm klappert es. Wanda hat versehentlich einige der Holzfiguren vom Regal gestoßen.

„Vorsicht!“, ruft Enzo. „Da geht‘s tief runter.“

„Wo sind wir denn hier?“, fragt Wanda. In Zeitlupe schaut sie sich um. „Könnte mal wieder aufgeräumt werden. Und es ist ganz schön …“

„Kalt?“, fragt Enzo. „Zugig?“

Wanda antwortet nicht. Auf halbem Weg zum Fenster ist sie vor der alten Landkarte stehen geblieben.

„Wanda?“ Mit wenigen Sätzen ist Enzo bei ihr. Jetzt sieht er auch, dass ihr Mund sich still bewegt, während sie mit zusammengekniffenen Augen die Karte studiert.

„Wanda?“, fragt Enzo noch einmal.

„Oujda, Berkane, Nador“, murmelt Wanda.

„Wie bitte?“, fragt Enzo.

„Nador“, sagt Wanda noch einmal. Sie stupst mit der Nase gegen die Scheibe. „Da komme ich her!“

Enzo lehnt sich ans Glas, um den Namen des Landes zu entziffern. „Marokko?“

„Ja, das ist es!“ Mit einem Mal ist Wanda ganz aufgeregt. „Ich muss zurück zum Hafen! Sofort!“

Enzo muss sich ein Lachen verkneifen. Sofort dauert bei Wandas Tempo bestimmt mindestens drei Tage.

Dann wird er ernst. „Erst mal müssen wir hier raus“, sagt er. Wieder wandert sein Blick zum Fenster. Draußen ist es noch immer stockduster. Nur ab und an dringen vom Hafen blinkende Lichter durch die Dunkelheit. „Ha, ich hab’s“, ruft Enzo. „Wir funken SOS! Meine Familie ist groß und über die ganze Stadt verteilt. Bestimmt erkennt einer von ihnen das Signal!“

In Windeseile läuft er zur anderen Seite des Regals, schnappt sich eine der geschnitzten Figuren und bugsiert sie zum Fensterbrett. Als Nächstes schleift er die Taschenlampe hinüber, die ungefähr doppelt so groß ist wie er selbst. In der Zwischenzeit hat auch Wanda das Regalende erreicht. Mit zweifelndem Blick beobachtet sie, wie Enzo die Figur vor dem Fenster aufstellt und die Taschenlampe einschaltet.. „Sorry, Kumpel“, sagt Enzo zu der Fratze, schaltet die Taschenlampe ein und hievt sie der Figur auf den Kopf, sodass der Lichtstrahl in die Nacht hinausleuchtet.

„Und nun?“, fragt Wanda.

„Müssen wir irgendwie kurze und lange Lichtzeichen geben …“, antwortet Enzo.

Er schaut sich suchend um und sein Blick bleibt an einem Stapel Papier hängen. Doch noch bevor Enzo sich ein Blatt schnappen kann, um das Licht der Taschenlampe damit zu verdecken, ertönt plötzlich ein lautes Klirren. Etwas Großes stürzt durch die Scheibe und landet in einem Scherbenregen auf dem Fensterbrett.

Die Taschenlampe rutscht vom Kopf der Holzfigur und erlischt.

In der wieder eingekehrten Dunkelheit nähert sich Enzo vorsichtig dem großen, weißen Haufen, der reglos auf dem Fensterbrett liegt. Eine Ratte ist das schon mal nicht, so viel ist klar. Vorsichtig tippt Enzo das Etwas an. Es ist kalt und nass und … fedrig.

Ein Stöhnen ist zu hören. Der Federberg erzittert, schüttelt sich, dann richtet er sich langsam auf.

Enzo weicht zurück. Natürlich hat er am Hafen schon jede Menge Möwen gesehen und eigentlich haben sie mit Ratten kein Problem. Aber man weiß ja nie …

„Hallo, ich bin Enzo“, sagt er freundlich. „Und wer bist du?“

FreddyDie Möwe schüttelt sich noch einmal, spreizt ihr Gefieder und spritzt Enzo und Wanda dabei von Kopf bis Fuß nass. Dann bedenkt die Möwe Enzo mit einem herablassenden Blick. „Mein Name ist Frederik von Falkenberg der Vierte.“

„Frederik“, wiederholt Wanda langsam.

„Von Falkenberg?“, fragt Enzo. Einen solchen Namen hat er noch nie gehört.

„Der Vierte“, betont Freddy. „Und wer ist verantwortlich für dieses Attentat?“

„Atten-was?“, fragt Enzo.

„Eben brannte hier noch ein Licht!“, sagt Frederik aufgebracht. „Man hat mich mutwillig glauben lassen, dies sei eine Landebahn.“

„Wir wollten SOS funken“, erklärt Wanda.

„Tsss…“, macht Frederik. „Jedes Kind weiß, dass der Code dafür drei kurz, drei lang, drei kurz lautet.“

„Das wissen wir auch. So weit sind wir nur leider nicht gekommen“, antwortet Enzo. Er betrachtet die Möwe nachdenklich. Dann hellt sich sein Blick auf. „Aber wo du schon mal hier bist, könntest du uns mitnehmen. Wir müssen zum Hafen!“

„Pah, ein Schwan, der eine Ratte und eine Schildkröte trägt“, erwidert Frederik in scharfem Ton. „Hat man so etwas schon mal gehört?“

Enzo und Wanda schauen sich verwirrt an.

Wanda deutet mit dem Vorderbein auf ihren Kopf und flüstert: „Vielleicht ist da was durcheinander geraten, als er gegen die Scheibe geknallt ist.“

„Na schön“, sagt Enzo laut. Er schaut zu Wanda – oder besser gesagt zu Wandas Panzer. Klettern oder Laufen scheidet bei ihrer Geschwindigkeit noch immer aus. „Bereit für eine Rutschpartie?“

• • •

Fortsetzung folgt …

Die ersten beiden Teile von „Einmal Hafen und zurück“ zum Download


Informationen zu Illustrator Daniel Sohr finden Sie hier und hier.