Einmal Hafen und zurück – Teil 1

Eine originäre Oetinger-Corporate-Fortsetzungsgeschichte

Einmal Hafen undd zurück
Hamburger Ratte trifft im Hafen auf exotische Schildkröte … und schon beginnt das Abenteuer. Zum tierischen Duo stößt dann noch eine ‚schräge‘ Möwe – das ungleiche Dreiergespann ist damit komplett.
Kann das gut gehen? – Spannende Situationen sind dabei vorprogrammiert!


Die Ratte Enzo, die Schildkröte Wanda und die Möwe Freddy sind die Hauptpersonen der neuen von Oetinger Corporate geschaffenen Erzählwelt. Die drei Freunde werden sich häufig in einem Museum aufhalten, ebenso oft an verschiedenen Orten im Hamburger Hafen, selten auf Schiffen. Der Hauch der großen weiten Welt wird immer zu spüren sein und was es dazu (und vielen anderen Themen) in Museen zu entdecken gibt.
Die Erzählwelt wurde konzipiert im Zusammenhang mit Gesprächen mit der Stiftung Historische Museen Hamburg über die Möglichkeit, die Angebote der Hamburger Museen mit Hilfe von Storytelling für Kinder zu strukturieren,  zu bewerben und noch attraktiver zu machen.

Lang genug auf die Folter gespannt? Los geht’s mit dem ersten Teil des turbulenten Abenteuers „Einmal Hafen und zurück“ – zwei weitere Teile folgen in den nächsten Monaten. Viel Vergnügen!


 

Einmal Hafen und zurück – Teil 1

Text von Johanna Fischer, Illustrationen von Daniel Sohr


Enzo im Regen„Mist, Mist, Mist“, murmelt Enzo vor sich hin. So schnell ihn seine vier Pfoten tragen, huscht er durch die dunklen Hafengassen. Eben noch hat er in der milden Frühlingsnacht den Schiffen nachgeschaut und nun das: Regen! Und zwar kein leichter Schauer, sondern die reinste Sturzflut. So viel Wasser ist Enzo nicht geheuer. Er ist so sehr damit beschäftigt, den zahlreichen Pfützen auszuweichen, dass er die große, braune Kugel mitten in der Gasse erst bemerkt, als er mit Volldampf dagegenprallt.

„Autsch!“, entfährt es Enzo.

„Autsch!“, echot es dumpf aus der Kugel.

Verwirrt reibt Enzo sich den Kopf. Er schüttelt sich ein paar Mal, dann richtet er sich auf, tritt näher an die Kugel heran und berührt sie vorsichtig mit der Pfote. Die Oberfläche der Kugel ist hart und ein bisschen glitschig vom Regen. Im Licht der Straßenlaternen kann Enzo dunkle Flecken darauf erkennen, die ein Muster bilden.

Enzo holt tief Luft und klopft vorsichtig zwei Mal gegen die Kugel. Tock, tock. Er spitzt die Ohren und lauscht. Doch außer dem unermüdlichen Klopfen der Regentropfen ist nichts weiter zu hören.

Dann – plötzlich – beginnt die Kugel, sich zu bewegen. Sie ruckelt ein paar Mal hin und her. Jetzt erkennt Enzo auch, dass die Kugel vorn und an den Seiten Löcher hat. Und aus diesen Löchern schieben sich nun langsam, ganz langsam vier dünne, aber kräftige Beine, gefolgt von einem langen Hals. Staunend betrachtet Enzo die ledrige Haut, die spitze Nase und schließlich bleibt sein Blick an zwei tiefschwarzen Augen hängen.

Enzo blickt in das mürrische Gesicht einer waschechten Schildkröte. Schildkröten hat er bisher nur im Museum gesehen, auf Bildern oder in Glaskästen.

„Ja bitte?“, fragt die Schildkröten nun mit knarzender Stimme

„Ähhh …“, stammelt Enzo.

Enzo trifft auf Wanda„Das warst doch du, der mich eben umgerannt hat, oder?“, murmelt die Schildkröte. Sie redet sehr langsam und sehr leise. Enzo muss sich mächtig anstrengen, um sie zu verstehen. „Ich nehme an, du wolltest dich entschuldigen?“

„Also, ja, ähm … Entschuldige, ich hab dich in der Dunkelheit einfach übersehen.“

„Schon gut“, erwidert die Schildkröte und macht Anstalten, sich wieder in ihren Panzer zurückzuziehen.

„Warte doch“, sagt Enzo schnell. „Ich bin Enzo und wie heißt du?“

„Waliyah Saadia Hassiba“, antwortet die Schildkröte und betont dabei jeden einzelnen Buchstaben.

„Freut mich, dich kennenzulernen, Wa… Wali… Was… Ähm, ist es okay, wenn ich einfach…“ Enzo überlegt einen Moment. „Wanda zu dir sage?“

„Wanda?“, fragt die Schildkröte. Sie spricht den Namen langsam und bedächtig aus, als würde sie probieren, wie er sich auf der Zunge anfühlt. Schließlich nickt sie. „Meinetwegen.“

„Wo kommst du denn her, Wanda?“, fragt Enzo neugierig.

Wanda nickt mit dem Kopf in Richtung Hafen.

„Von einem Schiff?“, fragt Enzo.

„Ich glaube schon“, antwortet Wanda.

„Du glaubst schon?“

Wanda stößt einen langgezogenen Seufzer aus. „Ach, weißt du“, raunt sie dann. „Eben sitze ich noch am Strand und die Sonne wärmt mir den Panzer. Dann will ich mir ein bisschen die Beine vertreten – und plötzlich stehe ich in einem riesigen dunklen Kasten. Und als sich in diesem Kasten endlich ein Loch auftut, bin ich auf einmal hier.“

„Wow, das war bestimmt ein Container-Schiff“, kombiniert Enzo.

„Vor allem war es kalt und zugig“, antwortet Wanda mürrisch. „Und hier ist es auch nicht besser!“

„Willkommen in Hamburg“, sagt Enzo mit einem Grinsen. „Aber ich weiß einen Ort gleich hier um die Ecke, wo wir uns ein bisschen aufwärmen können.“

Bevor Wanda etwas erwidern kann, ist Enzo auch schon vorangehuscht.

Nach einer Weile schaut er sich um, doch von Wanda fehlt jede Spur. Verwundert läuft er auf eiligen Pfoten zurück.

Die alte Schildkrötendame steht noch an der gleichen Stelle wie zuvor – oder vielleicht ein paar Zentimeter weiter.

„Kommst du?“, fragt Enzo ungeduldig.

„Ja doch“, antwortet Wanda. „Eine alte Frau ist kein D-Zug.“

Enzo würde Wanda gern fragen, was ein D-Zug ist. Doch wenn er etwas fragt, wird sie bestimmt noch langsamer. Deshalb ist er den restlichen Weg lieber still.

So lange hat Enzo noch nie zum Museum gebraucht. Als sie die große, hölzerne Eingangstür schließlich erreichen, sind Enzo und Wanda völlig durchnässt.

Wanda schnieft laut und betrachtet finster die Tür. „Wie sollen wir da denn reinkommen?“

„Mir nach“, sagt Enzo.

Wanda vor dem MuseumNeben den Stufen, die zum Eingang hinaufführen, gibt es eine Reihe kleiner Fenster, die bis zum Boden reichen. Eines davon ist schon lange kaputt. Man muss sich nur ein bisschen dagegenstemmen, damit es aufspringt.

Enzo deutet eine Verbeugung an und hält stolz das Fenster für Wanda auf.

Doch Wanda ist alles andere als beeindruckt. Ungewöhnlich schnell schiebt sie sich durch die kleine Öffnung.

„Wir müssen vorsichtig sein“, erklärt Enzo, während er eilig das Fenster von innen schließt, damit es nicht hineinregnet. „Tiere haben sie hier drin nicht so gern, zumindest keine echten … Wenn der Nachtwächter uns erwischt, landen wir auch hinter der Scheibe!“ Er deutet auf die gläsernen Kästen, die die Wände säumen.

Schlurfend nähert sich Wanda dem nächsten Kasten.

„Pass auf, dass du nicht zu nah ans Glas kommst“, warnt Enzo schnell. „Das löst den Alarm …“

Doch Wanda hört gar nicht richtig zu. „Hier ist es stockfinster“, mault sie. „Wie soll ich denn da ohne meine Brille irgendwas erkennen?“

Kaum hat sie den Satz beendet, ertönt auch schon ein Klirren. Enzo hört noch, wie Wanda „Aua, meine Nase“ murmelt. Der Rest geht in einem durchdringenden Jaulen unter. Die Alarmanlage!

„Mist, Mist, Mist“, murmelt Enzo, denn schon sind durch den Lärm die schweren Schritte des Nachtwächters zu hören.

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Fortsetzung folgt …

Den ersten Teil von „Einmal Hafen und zurück“ zum Download


Informationen zu Illustrator Daniel Sohr finden Sie hier und hier.