Die Geschichte von Theo Trüffel

Fliegen lernen leicht gemacht

Die Geschichte von Theo Trüffel

Text von Johanna Fischer
Illustrationen von Mara Burmester

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Prolog

„Wo sind denn alle?“, murmelt die kleine Gans.
Heute ist die große Eröffnung ihrer Flugschule. Alles ist vorbereitet: Zettel mit Hinweisen hat sie geschrieben und Laubberge aufgetürmt, in die ihre Schüler hüpfen können. Doch weit und breit ist niemand zu sehen.

Als hinter ihr ein Platschen ertönt, schaut die Gans zum Teich. Am Ufer sitzt Frosch Fridolin.
„Noch keiner da?“, fragt er. Die Gans schüttelt den Kopf.
„Du hast aber schon allen von der Eröffnung erzählt, oder?“
„Na hör mal, ich hatte alle Flügel voll zu tun“, antwortet die Gans. „Wie hätte ich das denn machen sollen?“
„Mit Flugzetteln?“, schlägt Fridolin vor. „Oder noch besser: Schreib doch auf Froschbook, warum du die Schule eröffnest. Du könntest zum Beispiel erzählen, wie Theo Trüffel vom Scheunendach gestartet und ohne gebrochene Klaue im Matsch gelandet ist, weil du ihm Tipps gegeben hast!“

„Ich soll Geschichten erzählen?“, fragt die Gans. Sie denkt einen Moment nach, dann nickt sie. Die Idee gefällt ihr …

Gans

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Vorsichtig lugte Theo über den Rand des Scheunendachs. Unten standen die kleine Gans und Frosch Fridolin und schauten zu ihm hinauf.
„Und du bist dir sicher, dass das funktioniert?“, fragte Theo.
Die kleine Gans nickte ihm aufmunternd zu.
Sie hatte ihn Trockenübungen am Boden machen lassen, ihm ein paar Seerosenflügel verpasst, und nun hatte sie den perfekten Ort gefunden, von wo aus Theo sich in die Lüfte schwingen konnte: eine alte Scheune, umgeben von weichem Moos. Es konnte eigentlich nichts schiefgehen.

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Theo atmete tief durch. Gleich würde er abheben und sich auf die Reise machen, um den größten Trüffel der Welt zu finden.
Er nahm Anlauf, stieß sich mit den Hinterläufen ab, breitete die Flügel aus und – flog! Zumindest für einen Moment. Dann jedoch kam der Boden ziemlich schnell näher.
Theo ruderte wild mit den Armen, doch von den Seerosenflügeln war kaum noch etwas übrig. Er schloss die Augen und landete kurz darauf wenig elegant,
aber erstaunlich sanft in einem Haufen Moos.

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Von Ferne hörte Theo die kleine Gans und Fridolin, die besorgt heraneilten. Ächzend rollte er sich auf den Bauch, öffnete die Augen und starrte auf einen riesigen Trüffel, der genau vor seiner Nase aus dem Moos ragte.
„Theo?“, fragte die Gans. „Geht es dir gut?“
Noch immer etwas wackelig kam Theo auf die Beine und fiel der kleinen Gans um den Hals. Sie klopfte ihm mit dem Flügel die Schulter.
„Für den ersten Versuch war das gar nicht mal so schlecht.“
„Gar nicht mal so schlecht?“, wiederholte Theo und deutete auf den Trüffel. „Das war ein voller Erfolg!“
Die Gans schaute ihn verblüfft an, dann verfiel sie in schnatterndes Gelächter.
„Ach Theo“, rief sie, als sie wieder Luft bekam. „Ein Flugschwein bist du vielleicht nicht – aber ein echtes Gourmetschwein!“