Storytelling

Storytelling

Der Gesamtumsatz des deutschen Buchhandels im Jahr 2014 betrug ca. 9,5 Milliarden Euro. Ungefähr genauso hoch war der Umsatz mit Haustierzubehör. Seit einiger Zeit gibt es mit Dog TV sogar einen TV-Sender mit einem Programm nur für Hunde. Daraus zu schließen, dass auch Hunde ohne Geschichten nicht leben können, wäre wahrscheinlich voreilig. Aber der Schluss, dass Menschen so sehr nicht ohne Geschichten leben können, dass sie das auch ihren Haustieren unterstellen, ist nicht ganz so gewagt.

Denn ohne Geschichten geht es nicht. Wenn sie ungefähr drei Jahre alt sind, fangen Kinder an, sich ihre eigenen Spielwelten auszudenken. Mädchen verlieren sich in selbst geschaffenen Phantasiegeschichten von Mutter und Kind, Prinzessin und Prinz, und ab und zu stört auch mal ein Drache die Idylle. Jungen sind eher als Forscher, Krieger und Drachentöter unterwegs.

Zu den selbst gemachten Geschichten kommen dann noch die Abenteuer aus der Konserve, die die Kinder auf dem Familien-Tablet, im Fernsehen, auf der Hör-CD und nicht zuletzt mittels der abendlichen Vorlesegeschichte aufnehmen. Geschichten ohne Ende. Zunehmend nicht mehr nur zwischen zwei Buchdeckeln dargeboten – was glücklicherweise die Umsatzzahl des Buchhandels in Relation zum Haustierzubehör relativiert.

Das Erzählen und Konsumieren von Geschichten ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wir stecken bis zum Hals in Geschichten und können ihnen weder entrinnen noch ohne sie leben. Eines der schönsten Beispiele für das kindliche Bedürfnis, eine eigene Fantasiewelt zu erschaffen, die gleichzeitig Bezug nimmt auf eine der populärsten Geschichten für Kinder und Erwachsene der letzten Jahrzehnte, ist der berühmte Darth Vader Spot, den VW anlässlich des Superbowls 2012 hat drehen lassen. Macht immer wieder Spaß, oder?

Mehr zum Phänomen des Menschen als Schöpfer und Geschöpf von Geschichten finden Sie in dem Buch „The Storytelling Animal“ von Jonathan Gottschall – eine ebenso überzeugende wie lesbare Abhandlung. Mehr über und aus diesem Buch demnächst an dieser Stelle.

Quelle: Aus Spiegel Online-Artikel zu Dog TV